ÜBA im Freibad
Für die Prüfung getrimmt
Hannover. -
Kurz vor der Gesellenprüfung konnten sechs Auszubildende des Glas- und
Gebäudereiniger-Handwerks Anfang Juni 2003 an einem besonderen Ort eine ÜBA
(Überbetriebliche Ausbildung) absolvieren: Das beheizte Freibad in Hemmingen-
Arnum bei Hannover war an zehn Arbeitstagen eine ideale Übungsfläche. Eine
gemeinsame Idee von Burkhard Räcker, Geschäftsführer des
Landesinnungsverbandes Niedersachsen, und Hans Jacobson von der Freibad-
Initiative in Hemmingen. Aus drei Bereichen bestand die ÜBA: Glas- und Sanitärreinigung, Schädlingsbekämpfung und rationeller Einsatz von Geräten und Maschinen. Achim Baumfalk, Ausbilder beim Bildungswerks Niedersachsen der Gebäudereiniger e. V. (BWNG) und zuständig für die Themenbereiche Umwelt, Konservierung von Baustoffen und Bautenschutz, vertiefte das theoretische Wissen. Täglich war von 8.30 Uhr bis 13.00 Uhr im Arnumer Freibad Praxis angesagt. Danach ging es bis 16.30 Uhr auf die grüne Wiese zum Theorieblock. Innen wie außen wurde das interessante Übungsobjekt genau unter die Lupe genommen. Alle Glas- und Sanitärflächen, sämtliche Böden galt es mit einer Grundreinigung zu versehen.
Thema „Schädlingsbekämpfung“
Ein Hauptthema war die „Schädlingsbekämpfung“, obwohl es im Freibad höchstens
Wespen, Ameisen und ein paar Nagerprobleme gab. Die theoretischen Grundlagen
wurden besprochen, Kenntnisse aufgefrischt und entsprechende Rechtsgrundlagen
behandelt. Die Auszubildenden mussten Dokumentationspläne schreiben: Was
haben sie gegen die lästigen Nager wo ausgelegt? Dort, wo es z. B. einen
starken Befall gibt, muss eine Bestandsanalyse gemacht werden. Über
Werkstoffkunde, Arbeitsplatzsicherung bis zu Umweltschutzbestimmungen: viel
Lernstoff in Praxis und Theorie für die Gruppe. Alles Grundkenntnisse, die
nicht nur für die Gesellenprüfung relevant sind, sondern auch nachher einen
großen Stellenwert haben, „um auch zukünftig gute Arbeit zu leisten“, betont
Ausbilder Baumfalk.
Thema „Grundreinigung“
Die Grundreinigung, nicht vergleichbar mit der täglichen Unterhaltsreinigung,
erfordert mehr Zeit, mehr Maschinen sowie Geräte und zum Teil auch mehr
Personal. Die sechs Auszubildenden analysierten vor Arbeitsbeginn zunächst,
wieviel Fläche sie zu reinigen hatten und skizzierten genau, was zu reinigen
war, ob Wand und/oder Boden, oder welche verrückbaren Gegenstände vorhanden
waren. Auch die Maschinen wurden kontrolliert: betriebssicher und mit dem
Prüfzeichen versehen? Die Verschmutzungsart und der Verschmutzungsgrad wurden
festgestellt und dokumentiert. Im Rahmen der Schwimmbadhygieneverordnungen
wurden dann die sanitären Bereiche, die Spiegel, Trennwände und in erster
Linie die Böden behandelt. Mittels entsprechender Säuren, teilweise auch mit
Alkalien, unterschiedlichster Maschinentechnik, wie Bürstenwalzmaschinen,
Einscheibenmaschinen oder einem Hochdruckdruckreiniger rückten die
Auszubildenden dem Wasserstein auf dem Fußboden, bestehend aus einem
mikroporösem Mosaik, zu Leibe. „Die vollbringen hier innen wie außen eine
kleine Wunderleistung“, so Achim Baumfalk. Etwa 80 Prozent aller Flächen
konnten in diesen zehn Tagen adäquat versorgt werden.
Probieren geht über studieren
„Nur, wer alle Variationen in der Reinigungstechnik ausprobiert hat, kann
letztlich feststellen, welche Maschinentechnik auf welchem Boden die
erfolgreichste ist.“ Achim Baumfalk ist es ganz wichtig, dass seine Schüler
ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit in die Betriebe nehmen. Enorme Kenntnisse
werden später in der Praxis gefordert, und der Ausbilder findet deutliche
Worte: „Die dieses Fachwissen nicht haben, werden auch in Zukunft immer
wieder mit dem Rauswurf aus irgendwelchen Objekten bestraft.“Es wird immer wichtiger, ganzheitliches Wissen, transparentes Denken und Vielfalt in die Ausbildung zu integrieren. Das Hemminger Freibad bot das richtige Test- und Übungsumfeld. Schon häufiger wurden solche überbetrieblichen Ausbildungen an exponierten Orten durchgeführt. „Wir haben die schönsten Parkettflächen hinterlassen und die schönsten Bädereinrichtungen saubergemacht, wir waren in Kirchen, in Museen und in Ratssälen“, berichtet der Ausbilder stolz. Und gelobt worden sind sie überall.
Langfristige Qualitätssicherung
In Zusammenarbeit mit der Region Hannover, der Berufsschule Hannover und dem
Landesinnungsverbandes konnte ein weiterer Meilenstein zur Qualitätssicherung
in der Ausbildung geschaffen werden: eine Lehrwerkstatt. In einem ehemaligen
Fabrikgebäude können die Gebäudereiniger ab dem neuen Ausbildungsjahr dann
auch Arbeiten mit gefährlichen Stoffen üben. Langfristig stehen elf
Klassenräume dafür zur Verfügung. Alle profitieren davon, auch die Betriebe:
Sie haben dadurch mehr Ausbildungsmöglichkeiten. Durchaus also in ihrem
eigenen Sinne, sich finanziell zu beteiligen.
Investitionen, die sich lohnen
Noch fehlt für den Ausbildungsbereich Geld. Investiert werden muss in ein bis
drei gute, gebrauchte Einscheibenmaschinen und/oder Mehrscheibenmaschinen
sowie in Fahreimersysteme, in Glasreinigungszubehörartikel, in Leiter- und
Gerüsttechnik, in Maschinen und Geräte für die Niederdruckgranulattechnik für
die Fassadenreinigung. Auch bei der Ausstattung für die Schädlingsbekämpfung
fehlen noch die Gelder. Moderne Schulungstechniken wie Overhead-Projektor,
Flipchart und Beamer für einen zeitgemäßen Unterricht stehen auch auf der
Wunschliste sowie die Idee, in den nächsten fünf Jahren in Video- und
Fernsehtechnik zu investieren.Die letzten beiden Tage der überbetrieblichen Ausbildung waren eine Art Gesellenübungsprüfung. Zum einen wurde in einem schriftlichen Test viel Gelerntes abgefragt, zum anderen wurde die Praxis bewertet. Mit einer Beurteilung in den Bereichen „Soziales Verhalten, „Fähigkeiten“ und „Leistungen“ endete die ÜBA im Hemminger Freibad.
Nicht nur Achim Baumfalk war mit der ÜBA und seinen Schülern zufrieden: Positive Resonanz kam auch von den Auszubildenden. Für Kai-Uwe Wietjes (26) war es sehr hilfreich, den Lehrgang zwei Wochen vor der Prüfung zu machen. „Man hat einiges wiederholt, was man in drei Jahren beinahe vergessen hätte“, betont er.
Hier finden Sie Fotos.
[Text & Fotos: Ira Thorsting]