"Mindestlohn ist eine gesellschaftspolitische Debatte"


Am 1. Juli 2007 war es so weit: Das Gebäudereiniger-Handwerk wurde in den Geltungs- und Schutzbereich des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes aufgenommen. Ein wichtiger Schritt für die Branche, um sich vor einem unfairen Wettbewerb zu schützen. Die Diskussion über die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes für alle Branchen spaltet die Parteien. Der LI- Vorstand Niedersachsen diskutierte eine Woche nach Umsetzung dieser gesetzlichen Regelung mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Miersch (SPD) über die Schwierigkeiten der Branche mit diesem Thema. „Wir wissen noch nicht, wie sich das Entsendegesetz auswirken wird“, betonte LIM Mike Schneider. Er ist Mitglied der großen und kleinen Tarifkommission des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks. Für den Verband sei es wichtig, die schwarzen Schafe in der Branche zur Raison zu bringen. Diskussionspartner Miersch (39) ist seit 1990 Mitglied der SPD, seit 2000 ist er Stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hannover-Land und seit 2005 des Unterbezirks der Region Hannover. Im Bundestag ist er Sprecher der Arbeitsgruppe zum „Parlamentarischen Beirat für Nachhaltige Entwicklung“ der SPD-Bundestagsfraktion.

Für den Politiker ist der Mindestlohn eine gesellschaftspolitische Debatte: „Von der Gebäudereiniger-Branche können wir viel im Bundestag lernen.“ In der zweistündigen Diskussion wurden auch die Rente mit 67, Umsatzsteuer, Ausbildungsabgabe, Schulbildung und Ausbildung der Auszubildenden, soziale Sicherungssysteme und Hartz IV angesprochen. „Es geht nicht, dass es Menschen in Deutschland gibt, die ihr Leben nicht bezahlen können“, betonte Armin Nimz, LI-Vorstandsmitglied. Aber: „Arbeit muss bezahlbar bleiben.“ Vorstandsmitglied Matthias Kühn kritisierte die Regierung und betonte in der Diskussion: „Das Konzept müsste heißen, die Arbeitskosten weniger zu belasten.“

Zum Thema Ausbildung: „Wir bieten in Deutschland einen Supermarkt an Ausbildungschancen“, betonte RA Burkhard Räcker, Geschäftsführer der Landesinnung Niedersachsen. Seiner Meinung nach müssen die Jugendlichen selbst aktiver werden. „Die Innung informiert auf Ausbildungsmessen und bietet den Schulen Informationen zum Ausbildungsberuf Gebäudereiniger.“ Doch leider gebe es im gewerblichen Bereich nicht genügend Ausbildungswillige. Jedes Jahr bleiben viele Lehrstellen unbesetzt.

Fazit für den Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch: „Es gibt viel zu tun in Deutschland.“ Er sammelte Vorschläge und versprach dem LI-Vorstand, in zwei Jahren wieder zu kommen, um sich über die Auswirkungen zum Thema Entsendegesetz und Mindestlohn zu informieren.

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Dr. Matthias Miersch (MdB) (4. v. li.) diskutierte mit dem Vorstand der Landesinnung Niedersachsen zu Themen wie Entsendegesetz und Mindestlohn.


[Text & Fotos: Ira Thorsting]







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